Hector the Hero           

James Scott Skinner

6/8 Slow Air

Hektor, die sagenhafte Gestalt aus der griechischen Mythologie, der Sohn von König Priamos von Troja, grosser Kriegsheld und Heerführer im zehnjährigen trojanischen Krieg.

Nun, mit griechischer Mythologie haben die Schotten eigentlich nichts am Hut - zu wenig Dramatik - mit Kriegshelden aber sehr wohl.

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Hektor im Zweikampf mit Achilles

Und um diesen tragische Helden geht es hier:  Major General Sir Hector Archibald MacDonald, KCB, DSO, 1853 – 1903, der grosse viktorianischer Kriegsheld. Ihm ist das Lament gewidmet, welches James Scott Skinner 1903 schuf.

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Hector Archibald Mac Donald wuchs in einfachsten Verhältnissen in der Nähe von Dingwall auf der Black Isle, im Norden Schottalnds, auf. Sein Vater war mittelloser Kleinbauer, ein Crofter. Mit 17 Jahren trat Hector MacDonald den 92. Gordon Highlanders in Fort George, Inverness,  als einfacher Soldat bei. Er nahm an verschiedenen Kolonialkriegen teil und wurde bald zum Colour Sergeant befördert.

Im zweiten afghanischen Krieg zeichnete er sich durch aussergewöhnliche Tapferkeit aus. So wurde ihm 1880 die einzigartige Möglichkeit geboten, zwischen dem Victoria Crossder höchsten britischen Tapferkeitsauszeichnung (welche meist nur posthum verliehen wird) und einem Offizierspatent zu wählen. Er entschied sich für Letzteres, wurde befördert und diente als Offizier im Burenkrieg in Südafrika und im Sudan. Er gilt als Sieger der Schlacht um Omdurman, wo er aufgrund seiner Fähigkeiten und seiner ausgesprochenen Tapferkeit bald nationale Berühmtheit erlangte und zum allseits bekannten Kriegshelden wurde.

Der mittlerweile zum Oberst avancierte Hector MacDonald war zwischenzeitlich militärischer Stabschef bei Queen Victoria und übernahm beim Ausbruch des zweiten Burenkrieges im Jahre 1900 als Brigadegeneral das Kommando über die Highland Brigade. 1901 wurde er geadelt und zum Abschluss seiner militärischen Karriere 1902 zum Oberkommandierenden der britischen Truppen auf Ceylon ernannt

In der blasierten Kolonialgesellschaft in einer der reichsten Kolonien des Empires fühlte sich MacDonald indes nie wirklich wohl. Dies beruhte auf Gegenseitigkeit. Wegen seiner niederen Herkunft wurde er von der dortigen Nobilität missachtet. Fighting Mac, wie er von seinen Soldaten genannt wurde, galt als mürrischer Einzelgänger und bekämpfte auf Ceylon nicht nur bei seinen Untergebenen sondern auch in der dekadenten Zivilgesellschaft Langeweile und Disziplinlosigkeiten. Von gesellschaftlichen Aktivitäten hielt er gar nichts. Sein Leben war die Armee. Bald kursierten Gerüchte, er treibe sich in zweifelhaften Lokalen herum, er unterhalte Beziehungen zu minderjährigen Jungen und, ja, er sei sogar in einem Eisenbahnabteil mit vier singhalesischen Knaben gesehen worden. Die Gerüchte überschlugen sich. MacDonald hatte nicht die geringste Chance, seinen Ruf zu verteidigen.

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Sir Hector Archibald MacDonald

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Der Gouverneur von Ceylon riet ihm, nach England zurückzukehren, um einen öffentlichen Skandal zu vermeiden. Unterwegs kontaktierte MacDonald seinen König. Edward VII. (welcher zwar für Frauengeschichten, aber nicht für besondere Feinfühligkeit bekannt war) meinte, die beste Lösung sei, sich selber zu erschiessen (offiziell wurde ein solcher Rat vom Hof später natürlich vehement in Abrede gestellt). Lord Roberts, der Armeeoberbefehlshaber empfahl ihm, nach Ceylon zurückzukehren und sich dort einem Militärgerichtsverfahren zu stellen. Als MacDonald aber in Paris aus den Zeitungen erfahren musste, dass er in England vor ein Kriegsgericht gestellt werden sollte, erschoss er sich in seinem Hotel.

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Sein Suizid löste im viktorianischen Grossbritannien einen gewaltigen Skandal aus. Die Journalisten brauchten nicht lange, um herauszufinden, dass MacDonald seit über 20 Jahren verheiratet war und einen Sohn hatte. Zudem meldete sich seine Frau öffentlich zu Wort. Weil Hector MacDonald zum Zeitpunkt seiner Heirat bloss ein einfacher Leutnant war und zu wenig verdiente, um eine Familie ernähren zu können, war ihm eine Heirat militärgesetzlich verwehrt. Aus diesem Grund hielt er seine wahren Familienverhältnisse geheim.

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Die Abdankung Anfang April 1903 auf dem Dean Cemetary in Edinburgh sollte im engsten Familienkreis stattfinden. Effektiv gingen in England und Schottland gut 30'000 Menschen auf die Strasse, um Fighting Mac die letzte Ehre zu erweisen.

Monument für Sir Hector Archibald MacDonald,
Dean Cemetary, Edinburgh

Damit war die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Bald nach seinem Tod kam das Gerücht auf, Fighting Mac sei gar nicht tot, sondern er sei identisch mit dem ihm in auffallender Weise gleichenden deutschen Feldmarschall August von Mackensen. Dies nicht zuletzt wegen dem praktisch identischen Alter, dem selben Bart und dem gemeinsamen Namensteil Mac. Das war zwar absoluter Schwachsinn, ma si non è vero, è bon trovato.

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Der schottische Komponist, Violinist und Tanzlehrer James Scott Skinner komponierte Hector the Hero als Lament, so um das Jahr 1900, widmete es 1903 Sir Hector MacDonald und publizierte es erstmals 1904 in einer Fassung für Violine in seiner Liedersammlung "The Harp & Claymore Collection". Skinner war ein sehr erfolgreicher Komponist. Manche seiner Stücke, meist Strathspeys und Reels, werden in der schottischen und irischen Folk-Szene noch heute gerne gespielt.

Was ist ein Lament?

Das Wort stammt aus dem Lateinischen (Lamentatio) bzw. Italienischen (Lamento) und bezeichnet einen Trauergesang oder ein Klagelied. In der klassischen Musik taucht das Lamento als Gattungsbezeichnung erstmals in italienischen Opern des 17. und 18. Jahrhundert auf. Als typisches Merkmal einer Lamento-Komposition wird in der Musiktheorie z.B. ein diatonisch absteigendes Tetrachord zwischen Grund- und Quintton der Tonart (z.B. a-g-f-e) bezeichnet, was auch wunderbar mit dem diatonisch gestimmten Dudelsack gespielt werden kann. Oder mit etwas weniger Musiktheorie: der für viele Zuhörer ergreifende, warme und etwas klagende Klang des Dudelsacks - vielleicht hat es irgendwie hate es etwas mit diesen Tetrachorden zu tun....

In der Dudelsackmusik haben Laments eine grosse und ehrwürdige Tradition - nicht erst seit der Beerdigung von Prinz Philip, Duke of Edinburgh. Sehr bekannte Laments, welche sowohl an zivilen wie an militärischen Abdankungen gespielt werden, sind z.B. Flowers of the Forest, Going Home oder eben, Hector the Hero.