Behind the Tunes

Für die einen ist der Klang von Dudelsäcken Gänsehaut pur, für andere klingt Dudelsackmusik ziemlich schräg, wird allenfalls mit ehrfürchtig gekleideten Marching Bands assoziert oder mit einem verlorenen Piper, der eine irgendwie unharmonisch klingende Weise spielt.

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Dudelsackmusik ist vielschichtiger und weit komplexer, als es auf das erste Hinhören den Anschein macht. Das liegt zuallererst am Instrument selber. Der Tonumfang des schottischen Dudelsacks - oder der Great Highland Bagpipe, wie das Instrument richtig heisst - umfasst zwar nur neun Töne, aus dem Zusammenspiel von Chanter (Melodieflöte) und Drones (Bordunen) ensteht aber ein ungemein volles und komplexes Klangbild.

 

Der Dudelsack weist ein hohes Klangvolumen auf und verfügt über eine ausserordentlich grosse Tragweite. Das macht den Dudelsack natürlich auch zu einem idealen Militärinstrument. Mit einigen Anpassungen lässt er sich aber auch konzertant mit anderen Instrumenten kombinieren.

Der Dudelsack hat seine eigenen Tücken. Er ist ein Dauertoninstrument. Seht er nämlich unter Druck, tönt es immer irgendwie und irgendwo. Und: es bedarf einiger körperlicher Anstrengung, um über die Spielzeit das nötige Luftvolumen aufzubringen und das komplexe System unter einem gleichbleibenden Druck zu halten. Steady blowing nennt man das. Der Dudelsack verfügt über keine Tasten oder Ventile. Darum können Töne nur über einigermassen kunstvolle Fingerpositionen, Embellishments ("Verzierungen") abgegrenzt und variiert werden. "Fingerpositionen" ist denn auch eher eine Untertreibung. Tatsächlich geht es um bisweilen blitzschnelle Fingerschläge, welche nicht mit den Fingerbeeren, sondern dem zweiten Fingerglied der linken und rechten Hand gespielt werden (ausgenommen linker Daumen und rechter Finger, wo die Fingerbeere benutzt wird. Oder ausgenommen linker kleiner Finger und rechter Daumen - die dienen nur zum Fixieren des Chanters, der Melodieflöte. Klingt kompliziert? Oh ja, das ist es.

Genau so wie die schottische Geschichte über erzählte Geschichten überliefert wurde, gibt es zu jeder Bagpipe-Melodie eine oder mehrere Geschichten dahinter. Diese Geschichten sind wohl etwas leiser, manchmal aber ebenso melancholisch und ganz sicher mindestens so farbig, wie der Klang von Dudelsäcken. 

Die im Folgenden präsentierten Titel zählen zu unserem Repertoire oder zu dem einiger unserer Mitspieler. Die Auswahl unserer besten Geschichten "Behind the Pipe Tunes" ist natürlich völlig willkürlich.

"And if there are no pipes in heaven
I'll be going down below "

Mark Knopfler, "Piper to the End"