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Wings     

4/4 March

Traditional

Das 1716 geschaffene Corps of Royal Engineers zählt zu den angesehensten Truppenteilen der britischen Armee. Und seit je her zu den bestbezahlten. Zum einen waren die Royal Engineers an praktisch allen Kampagnen des Empires beteiligt, also den amerikanischen Unabhängigkeitskriegen, dem Kampf gegen Napoleon, dem Krimkrieg, den Burenkriegen, den indischen Aufständen, zwei Weltkriegen und allen späteren Kampagnen bis hin zum Irak- und Bosnienkrieg und Einsätzen in Afghanistan. Zum andern sind die Royal Engineers zwar bewaffnet, zählen aber faktisch zu den non-kombattanten Truppen. 

Während Generationen begann manche Karriere eines erfolgreichen britischen Bauingenieurs mit einem Offizierslehrgang bei den Royal Engineers. Mancher Architekt der Royal Engineers hat aber auch zivile Projekte von Weltruhm geschaffen, wie eszum Beispiel Capt. Francis Fowke und Major-General Henry Y.D. Scott mit ihren Plänen zum Bau der Royal Albert Hall in London getan haben.

Rekrutierungsplakat Royal Engineers, 1890

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Wings ist der Regimental Quick March des Corps of Royal Engineers. Die Royal Engineers, The Sappers genannt, sind eine eigenständige Truppengattung der Armee ihrer Majestät und damit auch nicht "englisch" oder "schottisch", sondern eine echte gesamtbritische Truppe. Und Wings als ihr Regimentsmarsch ist auch weder englisch noch schottisch, obwohl er, zumindest in der Dudelsackversion, als Traditional gilt.

Die Entstehungsgeschichte von Wings ist originell - und gut dokumentiert. Am Anfang stand eine gewisse Unzufriedenheit mit den bisherigen Tunes, welche dem Musikkorps der Royal Engineers von der Armeeführung zugeordnet wurden. Bandmaster William Newstead komponierte bzw. arrangierte Wings 1869, in dem er Elemente aus zwei Liedern zu einem fröhlichen Marsch zusammenfügte. Als Vorlagen dienten die englische Weise "The Path Across the Hills" und das um 1840 entstandene romantische Lied Flügel! Flügel! um zu fliegen von Robert Schumann (12 Gedichte aus Liebesfrühling, Op. 37, Nr. 8) mit Text von Friedrich Rückert. Der bayerische Lyriker packte den uralten Traum vom Fliegen in ein Gedicht. Von daher könnte man Wings auch als einen spätromantischen Vorläufer so bekannter Lieder wie Volare (Bel Blu dipinto di blu) von Domenico Modugno oder Reinhard Meys Über den Wolken sehen.

Flügel! Flügel! um zu fliegen

Friedrich Rückert


Flügel! Flügel! um zu fliegen

Über Berg und Tal,

Flügel, um mein Herz zu wiegen

Auf des Morgens Strahl.

Flügel, übers Meer zu schweben

Mit dem Morgenrot,

Flügel, Flügel übers Leben,

Über Grab und Tod!

 

Flügel, wie sie Jugend hatte,

Da sie mir entflog,

Flügel wie des Glückes Schatten,

Der mein Herz betrog!

 

Flügel, nachzufliehn den Tagen,

Die vorüber sind!

Flügel, Freuden einzujagen,

Die entflohn im Wind.

Flügel, gleich den Nachtigallen,

Wann die Rosen blühn,

Aus dem Land, wo Nebel wallen,

Ihnen nachzuziehn!

 

Ach! von dem Verbannungsstrande,

Wo kein Nachen winkt,

Flügel nach dem Heimatlande,

Wo die Krone blinkt!

 

Freiheit, wie zum Schmetterlinge

Raupenleben reift,

Wenn sich dehnt des Geistes Schwinge

Und die Hüll’ entstreift!

 

Oft in stillen Mitternächten

Fühl’ ich mich empor

Flügeln von des Traumes Mächten

Zu dem Sternentor.

 

Doch gewachsenes Gefieder

In der Nächte Duft,

Mir entträufeln seh’ ich’s wieder

An des Morgens Luft.

 

Sonnenbrand den Fittich schmelzet,

Ikar stürzt ins Meer,

Und der Sinne Brausen wälzet

Überm Geist sich her.

Der neue Marsch wurde vom Publikum begeistert aufgenommen und so wurde Wings ab 1870 regelmässig an Paraden der Royal Engineers intoniert. Bereits 1889 befand aber ein neuer kommandierender General der Royal Engineers das Stück als zu unmilitärisch,  ja geradezu als frivol und belegte es mit einem ausdrücklichen Spielverbot.

Wings wäre vermutlich längst in Vergessenheit geraten, wenn nicht im Mai 1902 Lord Kitchener (damals: Lieutenant General  Horatio Herbert Kitchener, Viscount Kitchener of Khartoum), viktorianischer Kriegsheld und Oberkommandierender der britischen Truppen im Burenkrieg, nach seiner Rückkehr aus Südafrika bei einem Besuch in Chatham, dem Hauptquartier der Royal Engineers, feststellen musste, dass der Marsch, den er zu seinen Leutnantszeiten bei den Sappers so sehr liebte, nicht mehr gespielt werden durfte. Er setzte alle Hebel in Bewegung,, um das zu ändern, und so wurde Wings wieder zum offiziellen Regimentsmarsch der Royal Engineers erklärt - zur grossen Freude der Band der Royal Engineers.

Wer genau Wings für Pipes & Drums arrangiert hat, ist nicht bekannt. Eine erste Dudelsackversion erschien so umd das Jahr 1880.  Der Marsch wurde schnell über die Royal Engineers hinaus sehr populär und gehörte bereits vor dem Ersten Weltkrieg zu den beliebtesten Märschen von Dudelsack- und gemischten Musikformationen der britischen Armee.

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Lord Kitchener of Khartoum, 1899

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Tatsächlich ist Wings ein sehr melodiöser, fröhlich klingender und relativ leicht zu spielender Marsch. In manchen Tonfolgen weist Wings eine auffallende Ähnlichkeit zu Scotland the Brave auf und wird daher von Pipebands gerne als Dreierset zusammen mit Scotland the Brave und Rowan Tree gespielt.

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Brückenbau an  Westfont 1917

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Lord Kitchener of Khartoum, 1899

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Standarte des Corps of Royal Engineers

Pipes & Drums Royal Electrical & Mechanical Engineers, Moscow Tattoo, Roter Platz, Moskau

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