The Steam Boat           

Traditional

6/8 March

Anfangs des 20. Jahrhunderts waren am Clyde über 40 Schiffswerften in Betrieb, sie standen für etwa 20% der weltweiten Schiffsbaukapazität. The Steam Boat erinnert an die glorreiche Zeit der Schaufelraddampfer im Firth of Clyde, welche in fahrplanmässigen Diensten von Glasgow doon the watter bis nach Rothesay auf der Isle of Bute und wieder zurück fuhren. Tagesausflüge mit den Schaufelraddampfern waren bei Jung und Alt, bei Arm und Reich von 1880 bis nach dem zweiten Weltkrieg sehr populär.

Dampfboote  auf dem Clyde, Glasgow 1903

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Gerade in Zeiten der Not boten die Paddle Steamers der enorm wachsenden und zum grossen Teil in ziemlich prekären Verhältnissen lebenden Bevölkerung in Glasgow, dem industriellen Zentrum des Empires, die Möglichkeit, zumindest für einen Tag das Gefühl einer Luxuskreuzfahrt zu spüren. Im Jahre 1900 waren dafür bis zu 300 Ausflugdampfer auf dem Clyde im Einsatz.

Heute verkehrt nur noch ein Dampfboot auf dem Clyde, um die Hebriden und, auf Bestellung, in ganz Grossbritannien: der liebevoll restaurierte  Paddle Steamer Waverley, benannt nach der Titelfigur des ersten Romans von Sir Walter Scott - und dem Bahnhof von Edinburgh.

P/S Waverley, MaI 2021

Der in 6/8 gehaltene Marsch The Steam Boat, auch bekannt als Hills of Caithness, gilt als "Traditional". Das heisst, die Autorenschaft kann nicht eindeutig belegt oder einem bestimmten Komponisten zugeordnet werden. Interessant ist aber oftmals die Entstehungsgeschichte eines Traditionals, welche über die Art und Weise nachvollzogen werden kann, wie das Stück erstmals in geschriebener Form erschien. The Steam Boat  tauchte erstmals 1869 in der Ross's Collection of Pipe Music auf.

"Der Nussknacker"

Kaum bekannt ist, dass auch der russische Komponist  Peter Tschaikovski (1840 - 1893) die selbe Melodie 1892 in seinem Ballet Der Nussknacker (1. Akt, erstes Bild, "kleiner Galopp der Kinder", im Video bei 12:02)  verwendete.

Schottische Musik und klassische Komponisten

Man mag es sich nicht so recht vorstellen, aber der kulturelle Austausch in Europa war schon vor zweihundert Jahren und in einer Zeit lange vor YouTube ziemlich rege. Im Auftrag des schottischen Verlegers George Thomson verarbeitete zum Beispiel Beethoven während zehn Jahren 47 gälische Lieder zu populären klassischen Arrangements - ohne dass er deren wahren Ursprung, oftmals jakobitisch, gekannt hätte, denn der wurde ihm aus politischen Gründen vorenthalten. Heute gibt es Stimmen, die meinen, das sei ein organisierter Raubzug auf gälisches Kulturgut gewesen. Tschaikovski verwendete schottisches (und anderes) Liedgut im Ballett "Der Nussknacker". Umgekehrt fand der Zeitgeist aber auch Eingang in die schottische Marschmusik, indem z.B. PM John MacLeod eine Tanzmelodie des populären italienischen Operettenkomponisten Rossini als schottischen Retreat March arrangierte und ihn "The Green Hills of Tyrol" nannte.