Amazing Grace           

3/4 Hymn

Traditional

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Amazing Grace ist eine der weltweit bekanntesten Melodien überhaupt. Über den Ursprung des Liedes gibt es unterschiedliche Interpretationen. Die erste dokumentierte Fassung ist jedenfalls jene des ehemaligen englischen  Sklavenhändlers und zum anglikanischen Priester gewandelten John Newton, welcher das Lied zusammen mit dem Dichter William Cowper im Dezember 1772 schrieb und 1779 in den englischen Olney-Hymnen veröffentlichte. Amazing Grace basiert  auf  einem Schlüsselerlebnis von John Newton, welcher im Mai 1748 als Kapitän eines Sklavenschiffs in schwerem Sturm nach Anrufung der Gnade Gottes eine wundersame Rettung erfuhr, sich sukzessive von der Sklaverei abwandte und zum schliesslich Pastor wurde.

Amazing Grace, how sweet the sound,
That saved a wretch like me.
I once was lost but now am found,

Was blind, but now, I see.


T’was Grace that taught my heart to fear.        
And Grace, my fears relieved.      
How precious did that Grace appear
The hour I first believed.


Through many dangers, toils and snares
We have already come.       
T’was Grace that brought us safe thus far
And Grace will lead us home.

 

The Lord has promised good to me
His word my hope secures;
He will my shield and portion be,
As long as life endures.

Anfänglich wurde Amazing Grace vor allem in den ehemaligen britischen Kolonien Nordamerikas gespiet. Der meistgesungene Text drückt ein Glaubensbekenntnis aus, und so etablierte sich Amazing Grace zunächst als populäres Kirchenlied, gleichermassen beliebt bei Weiss und Schwarz.

Während des amerikanischen Bürgerkrieges war Amazing Grace auf beiden Seiten populär – und unabhängig davon auch bei den Cherokee-Indianern, welche das Lied zu ihrer Hymne adaptierten und seit dem 19. Jahrhundert an Beerdigungen singen.

In den USA tauchte Amazing Grace in geschriebener Form erstmals in einem Kirchengesangbuch des Jahres 1831 auf. Die amerikanische Version unterscheidet sich stark von der Urfassung, entspricht aber im Wesentlichen der heute gesungenen und gespielten Versionen.

Das Lied wurde in der 60er-Jahren von der afroamerikanischen Spiritual- und Gospelszene übernommen, so zum Beispiel von Mahalia Jackson oder Aretha Franklin und wurde zum Protestsong gegen Sklaverei und Rassismus.

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Louis Armstrong entwickelte Amazing Grace zu einem Jazz Standard. Seither wird der Song von Jazz Marching Bands auf verschiedenste Weisen immer wieder neu interpretiert.

Zu grösster Popularität ausserhalb kirchlicher oder afroamerikanischer Kreise gelangte Amazing Grace aber erst durch die von der Flower-Power-Bewegung ausgelöste Folk-Welle (Amazing Grace im Film Alice's Restaurrant von Arthur Penn, 1969). 

In den siebziger Jahren wurden Dudelsackfassungen zum Mass aller Dinge. Die Version der Royal Scots Dragoon Guards erreichte 1972 sogar Platz 1 der UK Charts und machte die Band zur heute noch populärsten Militärmusik der Welt.

1985 eröffnete Joan Baez mit Amazing Grace ihren Beitrag am legendären LiveAid-Benefizkonzert. 

 

Auch heute wird das Lied mit seiner ernsten und ausgesprochen feierlichen Grundstimmung gerne an Trauerfeiern und Beerdigungen gespielt, so wie z.B. auch 2004  an der Beerdigung Ronald Reagans und an Gedenkveranstaltungen wie am jährlichen Memorial Day in den Vereinigten Staaten. Oder an der Inauguration eines neuen US-Präsidenten (Garth Brooks, 21.1.21).

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Wie kann es in der heutigen Zeit der absoluten Moral Correctness sein, dass ein schönes Lied eines englischen Sklavenkapitäns sich zum indianischen Trauerlied, zum schwarzen Protestsong, zur Hymne der christlichen und nicht-christlichen Menschenrechtsbewegung, zum gefühlvollen Jazz-Song und zu vielem mehr entwickeln konnte und bis heute von den unterschiedlichsten Ethnien als unverfängliche Hymne verehrt wird?

 

Amazing Grace!